Der GAZ-24-95 - ein exklusiver Wolga 4x4

Der GAZ-24-95 — klassischer Wolga, aber mit Allrad-Antrieb. Er wurde in Serie nicht produziert, insgesamt wurden nur 5 Modelle erzeugt, die auf Offroad-Fähigkeiten unter verschiedenen Bedingungen geprüft wurden. Er wurde als PKW mit einer Radformel 4x4 auf Basis vom Wolga GAZ-24 konzipiert, aber seine Eigenschaften und Durchgängigkeit war nicht schlechter als die des UAZ-469. Das Fahrzeug erwies sich als ein guter, komfortabler Passagier-Offroader, aber nach den Tests ist die Sache nicht vorwärtsgegangen.

 

Der GAZ-24-95 - Geschichte des verkannten Offroaders

Unter anderen Umständen wäre der GAZ-24-95 mit Allradantrieb eines der meistverkauften 4x4-Autos seiner Zeit. Die Produktion war nicht viel teurer als bei normalem GAZ-24 und nach seinen Offroad-Fähigkeiten könnte der GAZ-24-95 dem UAZ oder GAZ für Sonderzwecke bei schwer passierbaren Offroad-Strecken Konkurrenz machen.

Die Entwicklung des Fahrzeuges auf Basis des Gaz-24 wurde im Auftrag von der Führung des Ausschusses der kommunistischen Partei im Gebiet Gorky begonnen - man bedarf ein repräsentatives Fahrzeug mit moderner (zu der Zeit) Karosserie, aber mit Offroad-Fähigkeiten von GAZ-69 und UAZ. Der Auftrag war erteilt worden und die Projektierung dauerte nur ein Jahr — von 1973 bis 1974. Insgesamt wurden 5 vollwertige Offroader produziert, die alle Arten von Tests bestanden.

 



Die Entwicklung wurde unter der Leitung von der zu diesem Zeitpunkt auf GAZ existierten Antrieb-Abteilung mit dem Abteilungsleiter B.A. Dechtjar.Aufgrund der Praxis zur Transformation des Pobeda GAZ M-72 in Allradantriebs-Auto, war die Arbeit an dem Wolga schnell und erfolgreich. Gestalter F.A. Lepedin, der am GAZ M-72 erfolgreich gearbeitet hatte, gestaltete auch den GAZ-24-95.

 

Der GAZ-24-95 - Technische Besonderheiten der Konstruktion, Antrieb und Federung

 

Eine ausgezeichnete Geländefähigkeit des Autos läßt sich leicht erklären —  viele der wichtigsten Komponenten und einige Baugruppen wurden von einem vollwertigen Offroader genommen —  dem UAZ-469. Aber der Unterschied war signifikant – der GAZ-24-95 hatte keinen Rahmen.

 

Aber die Entwicklung auf der Basis von UAZ wurde problematisch. Im Grunde genommen wurden bei Anpassung des Antriebs vom UAZ zum GAZ-24 die Neigungswinkel von Gelenken von dem  Achsverteilergetriebe zu den Antriebsachsen  deutlich vergrößert. Für einen komfortablen Offroader war das inakzeptabel, weil dabei Geräusche und Vibrationen deutlich erhöht wurden. Es war möglich, Antrieb vom GAZ-69 einzusetzen, aber zu der Zeit war die Produktion dieser Fahrzeuge seit einem Jahr gestoppt und der Einsatz bei neuen Modellen der bereits nicht erzeugten Antriebe war aus verschiedenen Gründen unmöglich. Zum Beispiel, bei einer Serienproduktion könnten die Teilgruppen dafür nirgends bekommen werden, Schwierigkeiten würden auch mit der Wartung entstehen. Bei der Lösung des Problems mit Lärm und Vibrationen hatte man versucht, den Antrieb vom UAZ nach unten zu verschieben, aber dabei würde Bodenfreiheit des Fahrzeuges sehr niedrig und seine Offroad-Vorteile würden zunichte gemacht.

Durch lange Experimente wurden die Neigungswinkel von Gelenken minimiert, zum Zahngeräuschreduzierung wurde Abrasiv in die Achsverteilergetriebe zugefügt, die Achsverteilergetriebe wurde leicht nach unten gesenkt — aber dadurch konnten die Nachteile nicht minimiert werden  — das Auto blieb bei der Fahrt noch nicht so komfortabel. Teilweise wurde dieses Problem später anhand guter internen Geräusch- und Vibrationsdämmung des Offroaders gelöst.

 



Außer Antrieb gab es fast keine weiteren Schwierigkeiten. Die Antriebsvorderachse war vom GAZ-24, eingedreht in der Gegenrichtung. Sie wurde mit kürzeren Achstrichtern und Nocken von UAZ-Achsen ausgestattet. Differentiale wurden mit Nockenmechanismen mit begrenztem Schlupf ausgestattet, konventionelle Getrieberäder wurden entfernt. Um den leichten Gang der Vorderachse nach oben und unten zu erzielen, wurde das Design der Ölwanne verändert. Zusätzlich wurde deren Ölsaugkorb zurückgeschoben.

Statt Vorderachsfedern wurde der GAZ-24-95 mit Tragfedern ausgestattet. Deren Vorderfederlagerböcke waren am Querbalken unter dem Kolben, zwischen Karosserieträgern, befestigt. Es wurden Federwegbegrenzer und andersartige Befestigung der Stoßdämpfer gesetzt. Aufgrund des Einsatzes von Tragfedern wurden von der Vorderachse Stabilisatoren entfernt. Sie wurden bei Hinterachse verwendet, die ansonsten wie bei einem normalen GAZ-24 blieb. Das Design setzte die Achsenanordnung unter den Tragfedern und nicht anders voraus.

 



Außerdem wurde Lenkgestänge nach vorne verschoben —  für die fünf Konzeptfahrzeuge musste die Lenkwelle aufgebaut werden. Auch wurde im Gegensatz zu den Originalkarosserien von GAZ-24 für Konzeptfahrzeuge Unterboden geändert, um die anders gebaute Abgasanlage anzuordnen.

Im Allgemeinen ist die gesamte Karosseriegestaltung ohne wesentliche Änderungen geblieben.
Für die Räder wurden keine besonderen Offroadreifen des Allrad-Wolga vorgesehen — es waren normale Reifen von Tschaika 8,5-15" auf Original-Radschüssel von dem GAZ-21 — damit wurde der Offroader im Winter 1973 - 1974 getestet.

Ausstattung des Innenraums ist praktisch unverändert geblieben. Äußere Veränderungen waren auch gering – die einzige wesentliche davon war der grüne Hintergrund auf dem Werk-Logo (damals war diese Farbe jägergrün).

 

Der GAZ-24-95 - Testen und das Schicksal der Offroader

 

Alle fünf Offroader wurden manuell montiert. Es ist interessant, dass eines von ihnen im Dienst bei einem Jagdhaus von L.I.  Breschnew in Zavidovo  eingesetzt wurde. Die restlichen vier wurden für die Prüfung bei der Miliz und dem Militär gebracht. Den seltenen Offroader konnte man sowohl in Gorkij, als auch im Gebiet Gorkij sehen.



In die Serienproduktion wurde das Fahrzeug nicht aufgenommen, denn trotz seines erschwinglichen Preises war die Komplexität seiner technischen Ausrüstung ziemlich groß und seine Wartung bedarf nicht nur Erfahrung, sondern auch nachträgliche Ausgaben. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile des erzeugten Personen-Offroaders auf Basis des GAZ-24 wurde es beschlossen, dessen Produktion liegenbleiben (die besseren Zeiten dazu sind aber nicht gekommen). Der Betrieb wollte in die Produktion dieser Marke aufgrund mangelnder Nachfrage nicht investieren (obwohl bereits damals haben die wohlhabenden Bürger für Jagd, Fischerei und Tourismus vollwertige Allradantrieb-Fahrzeuge UAZ oder Moskwitsch 410-411 gekauft).

 

Der GAZ-24-95 - die Gegenwart

Derzeit sind drei erhaltene Fahrzeuge dieser Marke vorhanden. Eines davon ist im Oldtimer-Museum Moskau ausgestellt (Aussteller zum 90. Jahrestag des Fahrzeugparks für Sonderverwendung (GON), und das zweite ist im Besitz einer Privatperson in Nischni Nowgorod. Das dritte Fahrzeug wird auf dem Werkgelände von GAZ aufbewahrt und es ist fast nichts darüber bekannt. Es handelt sich um Originale vom GAZ-24-95 – es gibt ja eine ganze Reihe von handwerklichen Umgestaltungen vom klassischen GAZ-24 auf Allrad-Antrieb. Nur 2 originale Autos sind erhalten, bei einem in Nischni Nowgorod wurden aber Türen, Kofferraumklappe, Kleinzubehör und Lenkrad durch Teilgruppen vom  GAZ-24-10 ersetzt, weil das Original morsch und altersschwach geworden war.

Für die damalige Zeit war es ein kleiner Durchbruch — komfortable 4x4-Limousinen waren sehr schwer zu finden, deshalb ist es schade, dass dieser Offroader vom GAZ nicht in Serieproduktion, zumindest in limitierten Chargen aufgenommen wurde.

 

Quelle: http://azov-off-road.com.ua